GERHARD KAY BRONZEN
OPENING MARCH 8TH 2025
BERNAU AM CHIEMSEE GIAN CARLO DOTTA
EISBOUTIQUE ASCHAUER STRASSE 11 BERNAU AM CHIEMSEE
RASTER
MÄANDERN
TRANSZENDENZ
YOU ARE WELCOME
Laudatio
Eine Würdigung des Künstlers Gerhard Kay von Ingrid Fricke
Bernau am Chiemsee 08. März 2025
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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Biebl-Daiber, lieber Gerhard Kay, liebe Familie Dotta, liebe Eva Maria Ladwig und liebe Freunde der Kunst,
es ist mir eine große Freude und Ehre, heute zur Einweihung dieses eindrucksvollen Kunstwerks hier an diesem besonderen Ort sprechen zu dürfen.
Gleich zu Beginn möchte ich Ihnen Worte des Künstlers Gerhard Kay vortragen – Worte, die in sensibler künstlerischer Sprache seine Kunstauffassung wiedergeben:
„Für mich ist das Modellieren ein Prozess des Annehmens und Studierens von Material und Form.
Zuweilen von ungewissem, oft überraschendem Ausgang, verbunden mit Erkenntnis über Fläche und Form, Spannung und Ausdruck.“
Dieses Zitat beschreibt sehr treffend die Arbeitsweise und das Schaffen von Gerhard Kay, einem Künstler, der mit beeindruckender Hingabe Material und Form erforscht und daraus Kunstwerke entstehen lässt, die uns innehalten lassen und uns tief berühren.
Ich möchte Ihnen den Künstler kurz vorstellen:
Gerhard Kay wurde in Rosenheim geboren und lebt und arbeitet im Chiemgau. Sein künstlerischer Ausdruck findet sich in vielfältigen Disziplinen:
Skulptur, Plastik, Relief, Stuck und Putz. Seine berufliche Laufbahn ist ebenso beeindruckend wie sein künstlerischer Werdegang:
Sie begann mit einer fundierten handwerklichen Ausbildung: Zunächst erlernte er den Beruf des Maurers in Rosenheim, bevor er 2010 eine weitere Ausbildung zum Stuckateur in Pforzheim absolvierte. Diese handwerklichen Grundlagen bilden bis heute die Basis seiner gestalterischen und künstlerischen Arbeit.
Im Jahr 2021 schloss er die Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk in München ab, nachdem er 2019 erfolgreich seinen Abschluss als Holzbildhauer an der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei in Berchtesgaden erlangt hatte. Für seine handwerklichen Fähigkeiten und gestalterischen Arbeiten wurde er im selben Jahr mit dem Oberbayerischen Förderpreis für angewandte Kunst ausgezeichnet.
Seit 2021 arbeitet er freischaffend in den Bereichen Bildhauerei, Stuck und Putz, wobei sein erhebliches Interesse der Verbindung traditioneller Handwerkskunst mit ökologisch nachhaltigen Techniken gilt. Die Auseinandersetzung mit historischen Materialien und deren Verarbeitung spielt eine zentrale Rolle in seiner Arbeit. Ein besonderes Highlight war im vergangenen Jahr die Verleihung des Förderpreises Junge Kunst des Kulturfördervereins Prien am Chiemsee an Gerhard Kay. Eine hochverdiente Anerkennung für einen Künstler, der mit seiner sensiblen und präzisen Formensprache zu berühren weiß, und wir dürfen mit Stolz sagen, dass ein Künstler wie Gerhard Kay unsere Künstlerlandschaft Chiemsee auf einzigartige Weise bereichert.
Er erhielt den Preis für eine künstlerisch sehr sensible Arbeit:
Seine Skulptur „Arabesque“ in Kirschholz aus dem Jahr 2021. „Arabesque“ thronte drei Wochen lang unter einem gläsernen Pyramidendach auf einer Säule im Popup-Kunstraum in der Bahnhofstraße zu den Kunsttagen in Prien, zog die Blicke auf sich und man diskutierte das Werk begeistert.
Ein Körper im Raum, in einer Bewegungskomposition, filigran und geschlossen zugleich.
Im Verhältnis von Struktur und Freiheit feinfühlig und diszipliniert gedacht, im Verhältnis der Volumina und der Leerstellen zur Perfektion geformt. Der freigestellte Körper sucht seine ihm eigene Harmonie und findet sie.
Kunst im öffentlichen Raum -
Die Idee der Kunsttage war es Kunst an ungewöhnlichem Orten zu präsentieren in außerordentlichem Ambiente, voller Inspiration und in interessanter Gestaltung. Und dieser Idee begegnen wir hier wieder! Kein white cube, keine Galeriesituation und kein klassisches Ausstellungskonzept, sondern mittendrin im Leben, zu betrachten en passent. Dies hier ist Kunst im Alltag, ohne Schwelle, zugänglich für alle:
Eine Wand veredelt mit der poetischen Kraft deiner Arbeit.
Du befindest dich an einer wichtigen Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Künstlerschaft, leistest einen wertvollen Beitrag zum Austausch. Wir danken dir sehr für deine Kreativität im Umgang mit dieser Möglichkeit, für dein Engagement, deine Leidenschaft und vor allem für deine Zeit! Du hast diese Herausforderung mit viel Kreativität und Engagement angenommen und eine beeindruckende Arbeit geschaffen. Dafür danken wir dir herzlich! Und dieser Dank gilt natürlich auch den Showroom Besitzern.
Lieber Gian Carlo, du hast ein Auge und ein Herz für die Kunst, deine Offenheit im künstlerischen Denken führte zu diesem außergewöhnlichen Rahmen und begleitete dieses Projekt in glücklicher Weise.
Noch ein paar Worte zum Schaffensprozess und der Bedeutung des Werks:
Ein ganzes Jahr lang ist hier ein bildender Künstler mit seinem Werk umgegangen, du hast künstlerische Ideen entwickelt, verschiedene Entwürfe erprobt, dies hat seine Spuren hinterlassen.
Zwischenzeitlich, oder vielmehr hauptsächlich, galt es, das Leben mit Familie und einen fordernden Arbeitsalltag zu bewältigen – ein Alltag, der kreatives Schaffen als zusätzliche Herausforderung begreift. Dies stellt sowohl einen hohen Anspruch an sich selbst als auch eine bewundernswerte Leistung dar, die großen Respekt abverlangt.
Begonnen unter dem Eindruck einer freien Fläche wurde aus drei alternativen Vorschlägen, den Entwürfen ein dreiteiliges Werk, ein neues Ganzes, ein Triptychon aus drei Reliefs.
Der handwerkliche Prozess lässt staunen, interessant dabei die ständigen Wechsel zwischen Positiv und Negativ im Schaffensprozess. Das darf ich kurz erklären:
Zu Beginn steht die künstlerische Idee, der Entwurf.
Zuerst wird ein Modell in Ton als Negativ geschnitten, dann davon ein Gipspositiv gegossen, oder es wurde gleich in Wachs oder Gips positiv modelliert, wie bei diesen beiden hier zu Ihrer Rechten. Anschließend wurden von allen Reliefs Gipspositive gegossen, die wiederum als Grundlage für die Negativsilikonformen dienten.
Die Silikonhaut wurde jeweils durch eine Gipsstützform stabilisiert.
Für den Bronzeguss wurden dann aus den Silikonformen Wachspositivmodelle gefertigt, sodass alle drei Reliefs in Wachs positiv vorlagen. Aus diesen wurde eine Gips-Schamott-Negativform erstellt, in der das Wachs bei 400 °C über fünf Tage hinweg ausgeschmolzen wurde. Der dadurch entstandene Hohlraum wurde anschließend mit Bronze ausgegossen. Wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend war, wurde der Guss wiederholt. Abschließend erfolgten die Ziselierung und Patinierung der Bronze, um das endgültige Erscheinungsbild der Werke zu vollenden.
Das Modellieren in dieser Art ist der erfahrene Umgang mit einem komplizierten Material. Es gilt, das Wesen dieses Materials zu kennen und nutzen zu wissen, auch Schwieriges und Überraschendes hinzunehmen. Vor allem während der langen und aufwändigen Entstehung immer die ineinander verwobene Beziehung zwischen Prozess und Ergebnis im Auge zu behalten und nicht zu verlieren.
In deiner Arbeit ist die Entsprechung von Material mit einer sehr aufwendigen Bearbeitung und die Schönheit und Ästhetik der gewählten Form von sehr hoher, eindrucksvoller Qualität.
Aber es steckt noch viel mehr dahinter, deine Kunst ist mehr als handwerkliche Meisterschaft, sie ist durchdrungen von deinen Gedanken, deinem Naturverständnis, einer ethischen Verantwortung.
Drei künstlerische Arbeiten treten uns in einem neuen Ganzen entgegen, sie alle haben eine markant bearbeitete und sprechende Oberfläche: wie eine Haut in verschiedenen Farben, mit Poren, Malen, Verletzungen und Narben und jede von ihnen spricht eine eigene Sprache.
In den sich rasterartig kreuzenden Linien zur Linken zeigen sich Unruhe, kontroverse Meinungen, gegensätzliche Lebensentwürfe, die aufeinandertreffen, ein Spannungszustand, wie in der Schwingung gefrorene Saiten, Widerstände, die es gelingt zu meistern oder an denen man zerbricht.
Die Mitte sucht nach Ausgleich, Hoffnung scheint durchzuschimmern, ein Ineinandergreifen, sich die Hand reichen und aufeinander zugehen, sich verbinden und Frieden finden.
Die rechte Seite zeigt Verletzung und Heilung, verankert sich, lässt einen neue Trieb entstehen, ein Sinnbild der Wandlung, das zu Neuem weist, noch ungewiss wohin. Ob man diese Tafeln als Raster, Mäandern und Transzendent liest oder eine andere Bedeutung darin sieht, das bleibt dem Betrachter überlassen, die Zuordnung der Titel liegt bei Ihnen.
Wie Hybris, Nemesis, Katharsis, wie Überschätzung, Fall und Läuterung begegnen uns die Tafeln wie die Elemente der griechischen Tragödie und weisen interdisziplinär auf die poetische Kraft der Kunst Gerhard Kays. Seine Kunst ist stark und so unfassbar lebendig, ein Sinnbild zwischen Stabilität und Zerbrechlichkeit, Mut und Verletzlichkeit gefunden und in sich ruhend in einem Moment der Balance.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser gelungenen Arbeit und ihrer Präsentation!
Wir wünschen dir viel Glück auf deinen weiteren künstlerischen Wegen und danken herzlich.
Vielen Dank' Ingrid Fricke